Aktuelles

09.04.18

Pressemeldung des DVMV zum Start der Int. Musikmesse 2018 in Frankfurt

Das Geschäftsjahr 2017 : Musikfachhandel trotz leichtem Plus mit großen Sorgen. Hersteller und Vertriebe mit Geschäftsverlauf zufrieden.

Insgesamt wird das Geschäftsjahr 2017 mit einem Gesamtvolumen von ca. 1 Mrd. Euro von der Musik-instrumentenbranche, vor allem von Hersteller- und Vertriebsseite, als zufriedenstellend bewertet. Allerdings wird bei der Betrachtung im Detail deutlich, dass der klassische Musikfachhandel – hier vor allem der kleine Einzelhandelsbetrieb – es immer schwerer hat, sich gegenüber großen Handelsunternehmen zu behaupten.

 

Im Jahr 2017 steigerte sich erneut der Absatz von Musikinstrumenten. Digitalpianos standen dabei mit einem Zuwachs von 14,5 % im Vergleich zum Vorjahr erneut ganz oben auf der Wunschliste der Käufer. Auch kleine und günstige Musikinstrumente waren begehrt, akustische und E-Gitarren verzeichneten dagegen einen leichten Rückgang. Der Absatz von akustischen Klavieren ist differenziert zu betrachten: Die Umsatzzuwächse von Digitalpianos führten spiegelbildlich zu Problemen beim Verkauf von akustischen Klavieren in der unteren Preisklasse. Dieser Rückgang ist auf die verbesserten und preislich immer günstiger werdenden Digitalpianos zurückzuführen. Zufriedenstellend ist dagegen der Verkauf von hochwertigen Instrumenten wie Klavieren und Flügel im oberen Preisbereich, auch wenn diese Instrumente nicht mehr zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, sondern nach Bedarf angeschafft werden. Der Verkauf von Musiknoten, der in den vergangenen Jahren, wenn auch auf hohem Niveau, stagnierte, war im Jahr 2017 rückläufig.

 

Zudem zeigen die generellen Absatzzahlen, dass die Umsatzsteigerungen der Branche nicht in erster Linie auf klassische Musikinstrumente zurückzuführen sind, sondern insbesondere Warengruppen zu verdanken sind, die nicht ausschließlich nur zum Musikmachen genutzt werden, wie Mikrofone, Kopfhörer, etc.

 

Die deutschen Musikinstrumentenhersteller haben nach vorläufigen Jahresdaten einen Umsatz von 326,3 Mio. € erzielt, 1,3% mehr als 2016. Die Inlandsumsätze gingen um 6,7% auf 113,6 Mio. € stark zurück, während die Auslandsumsätze um 6,2% auf 130,5 Mio. € anstiegen. Die Auslandsumsätze mit der Eurozone wiesen ein fulminantes Wachstum von 12,4% auf. Insgesamt konnte wieder ein Außenhandelsüberschuss von fast 20 Mio. € erzielt werden.

 

Die deutschen Exporte sind sehr breit aufgestellt. Die wichtigsten Exportländer sind Frankreich, die USA, China, Österreich, Großbritannien, Japan, die Niederlande, Polen (mit der größten Zuwachsrate von 13,8%) und die Schweiz, auf die rund 60 % der gesamten Exporte entfallen. Die Exporte nach China waren nach Jahren des Wachstums mit 4,2% rückläufig.

 

Leider liegen zurzeit nur Produktionsdaten für die ersten drei Quartale 2017 vor und das produktionsstärkste 4. Quartal fehlt noch, was in der Jahresbilanz dann doch noch zu deutlichen Veränderungen führen kann. In den ersten drei Quartalen 2017 lag die Produktionsleistung wertmäßig mit 248,34 Mio. € um 1,0% über dem Vorjahreszeitraum.

 

Die Vertreter der handwerklichen Bereiche vermelden eine stabile Auftragslage, leiden allerdings, ebenso wie andere Handwerksberufe, an einem Mangel an Fachkräften.

 

Für den Musikfachhandel sah die Geschäftsentwicklung leider nicht so rosig aus. Will ein Händler den gleichen Umsatz wie im Vorjahr erzielen oder gar verbessern, muss er dies mit höherem Einsatz und weniger Kunden erwirtschaften. Leider ist bereits seit Jahren festzustellen, dass die Kundenfrequenz im stationären Einzelhandel ständig zurückgeht. Ein Hauptproblem des mittelständischen Fachhandels ist darüber hinaus vor allem die sinkende Marge. Auch wenn der Umsatz stimmt, ist die Verdienstspanne für den Händler deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Bundesweite Verteilungskämpfe zu Tiefstpreisen verunsichern den Markt und machen es dem Handel schwer, die Instrumente zu betriebswirtschaftlich angemessenen Preisen zu verkaufen.

Dabei sind die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Handel positiv. Seit Jahren wächst die Wirtschaft, die sich in einer Hochkonjunkturphase befindet, beständig. Der kräftige Aufschwung führt zu einer positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes. Dadurch steigt nach der Prognose der Marktforscher die Konsumentenstimmung und motiviert viele Verbraucher zum Geldausgeben.

 

Diese Aussage bestätigt auch der Handelsverband Deutschland (HDE), der 2017 als ein gutes Jahr für den Einzelhandel charakterisiert, in dem zum Beispiel der Onlinehandel seine Umsätze um 10 % steigern konnte. Einschränkend stellt der HDE jedoch auch fest, dass der digitale Umbruch besonders kleinere Händler unter Druck setzt. Diese Feststellung lässt sich auf den Musikfachhandel übertragen. Die Schere zwischen großen und kleinen Händlern geht immer weiter auseinander. Vom Internet-Verkauf profitieren vor allem die großen Anbieter.

 

 

Die Online-Shops des kleinen und mittelständischen Fachhandels können keinen Rückgang der Kundenfrequenz kompensieren, sind aber notwendige digitale Schaufenster der Handelsgeschäfte. Hier besteht politischer Handlungsbedarf. Der Einzelhandel begrüßt daher, dass die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag vorgesehen hat, ein Kompetenzzentrum für den Einzelhandel ins Leben zu rufen, das insbesondere kleinere Handelsunternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass z. B. die Innenstädte als vitale Handelsstandorte erhalten bleiben.

 

Die Aussichten für das Jahr 2018 sind gesamtwirtschaftlich positiv. Auch in diesem Jahr hält der konjunkturelle kräftige Aufschwung an, die Verbraucherstimmung ist weiter auf einem hohen Niveau. Allerdings bleiben auch die beschriebenen Probleme des Handels bestehen, die zu großer Sorge Anlass geben. Auf der Herstellerseite wird auch 2018 wieder mit leichten Zuwächsen gerechnet. Neben weiter steigenden Exporten wird erwartet, dass sich der letztjährige Einbruch bei den Inlandsumsätzen korrigieren lässt.

 

Wichtig wird es 2018 sein, z. B. durch gemeinsame Marketingaktivitäten der Branche, wie die Aktion „Deutschland macht Musik – spiel mit!“, das in der Bevölkerung nach wie vor bestehende große Interesse am Musikmachen zu nutzen, um den Instrumentenabsatz wieder zu steigern.

Für die Verbände standen und stehen vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Musikinstrumentenbranche im Vordergrund. Im letzten Jahr sorgte hier vor allem die Ausweitung des Artenschutzes auf bestimmte, im Musikinstrumentenbau übliche Holzarten für Aufregung. Die besondere Auslegung der CITES-Regelungen innerhalb der deutschen Kontrollbehörden brachte einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand für Handel und Lieferanten mit sich.

 

Mitglieder im DVMV sind:

 

Bund Deutscher Klavierbauer (BDK)

Bundesinnungsverband für das Musikinstrumenten-Handwerk

Bundesverband der deutschen Musikinstrumentenhersteller (BDMH)

Bundesverband Klavier (BVK)

Deutscher Musikverleger-Verband (DMV)

Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM)

 


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